Selten verstanden: Warum bei OKR alles an der Formulierung hängt

June 1, 2022 • Dr. Paul Weber

Mit dem Erfolg von OKR wird häufig die besondere Art der Formulierung verbunden. Aber Wörter und große Visionen sind nicht ausschlaggebend. Der wahre Unterschied kommt durch etwas anderes.

Erfolg kommt durch abgestimmten Fokus: die Formulierung ist nur ein Spiegel

Die Wahrheit gleich vorne weg: es gibt keine magischen Wörter, die wie Zauberformeln dem Team Superkräfte verleiht. Das wissen wir eigentlich, aber ganz verhalten hängen wir unsere Hoffnung doch daran. Weil der Grund für den Erfolg von OKR nicht offensichtlich ist, hat sich dieser Irrtum in unseren Köpfen festgesetzt.

Der wahre Erfolgstreiber hinter OKR ist nicht die Definition, sondern der Ablauf der Definition. Das, was auf dem Weg zu der Festlegung von Objectives und Key Results geschieht. Um eine gemeinsame Definition zu ermöglichen, müssen nämlich mehrere Hürden genommen werden, denen sich ein Team sonst oft nicht stellt.

Die Führung muss in die Strategie schlüssig aufbereiten, damit sie vorgestellt werden kann. Das Team muss die Strategie verstanden, reflektiert und akzeptiert haben - sprich, das Big Picture muss allen klar sein. Weiter geht es mit der Festlegung des Fokus auf einige wenige Dinge, die in dem Moment tatsächlich wesentlich sind. Und das bedeutet auch, sich bewusst festzulegen, andere Aufgaben nicht anzugehen.

Doch was hat es dann mit der Formulierung auf sich? Möchte man Ziele so explizit und genau aufschreiben, wie es mit der OKR Methode üblich ist, müssen die gerade aufgezählten Hürden genommen worden sein. Die vielen offenen Fragen wurden angesprochen, diskutiert und geklärt. Denn nur dann ist eine Festlegung auf einige wenige OKR Sets möglich.

Bottom-Line: Eine gelungene Formulierung bedeutet, dass die notwendige Abstimmung steht. Wenn man aber die Abstimmung erreicht hat, ist der Erfolg schon sichergestellt.

Messbarkeit und Ergebnisorientierung wie nie zuvor: darum treibt eine gute Formulierung zusätzlich an

OKR sind nicht nur eine neue Art, Ziele aufzuschreiben. Über OKR wird eine neue Art der Führung implementiert. Weg von Aufgaben und Beschreibungen, was zu tun ist, hin zur Einigung auf Ergebnisse. Weg von ungenauen Äußerungen, wo die Reise hingehen soll, hin zu konkreten Metriken. Fortschritt wird klar messbar.

Beide Aspekte, die Freiheit zur Umsetzung als auch der Fokus auf Messbarkeit sind starke Treiber bei der Umsetzung. Autonomie und Verantwortung fordern Mitarbeiter heraus, über sich selbst hinauszuwachsen. Intrinsische Motivation spielt dabei eine große Rolle. Von der dafür notwendigen Klarheit, mit der die übertragenen Aufgaben beschrieben sein müssen, profitieren Führungskraft und Team: alles, was für die Zielerreichung unwesentlich ist, wird außen vorgelassen.

Zahlen und Metriken verstärken diesen Effekt der Fokussierung. Tatsächlich ist es eine interessante Eigenschaft von uns Menschen, dass uns Zahlen anziehen. Sie bekommen unsere Aufmerksamkeit, wir klemmen uns dahinter, stimmen unsere Tätigkeiten darauf ab - und blenden andere Themen aus.

Messbarkeit und Ergebnisorientierung sind in der Tat ein starkes Team.

Formulierung ist auch Fallstrick: Commitment gibt es nur, wenn die Definition einfach ist

Formulierung ist deshalb wichtig zu verstehen, weil sie auch stark negative Effekte haben kann. Wird der Ablauf zur Festlegung der OKR als positiv empfunden, wird eine persönliche Bindung zu den Zielen aufgebaut. Die Umsetzung fällt leichter, und im Alltag wird kraftvoller daran gearbeitet. Wird der Ablauf aber als negativ empfunden, verkehrt sich die Situation ins Gegenteil. OKR stoßen schon bei der Definition zunehmend auf Ablehnung, die Umsetzung ist zäh, und das Gefühl der Bürokratie macht sich breit. Das ist tatsächlich das, was viele Unternehmen erleben und deshalb mit OKR in ernsthafte Schwierigkeiten kommen.

Die häufigste Ursache dafür ist Unklarheit, was eine gute OKR Definition ausmacht, und Unstimmigkeit untereinander. Wie viele OKR sollen definiert werden? Welche Eigenschaften sind wichtig? Was ist Output, was ist Outcome, und warum soll das eine besser sein?

Eine große Hilfe bei der Formulierung ist ein klares Framework, was gute OKR eigentlich ausmacht. Bei Perfect Operations arbeiten wir schon lange mit den 2x3 Eigenschaften, das verbunden mit einem besonderen Fragemuster für eine klare Struktur und eine konstruktive Herangehensweise sorgt. Das tolle daran ist: das Framework ist einfach lernbar, und so haben schon viele Teams davon profitiert.