Wie neue Teams schneller produktiv werden - OKR Set Analyse

March 29, 2023 • Dr. Paul Weber

Neues Projekt, neue Leute, neues Team. Was am Anfang zählt ist Orientierung und eine klare gemeinsame Richtung. Wie gut formulierte OKR dabei helfen, zeigen wir Ihnen an diesem konkreten Beispiel.

Ein typisches OKR Set mit Schwachstellen

Da ist ein IT Unternehmen, das Desktop-Anwendungen entwickelt. Die Strategie bekommt eine neue Ausrichtung auf mobile Apps, wofür es schon die ersten Ideen gibt. Zur Umsetzung soll ein neues Entwickler-Team gebildet werden.

Mit welchen OKR kann das Team möglichst schnell produktiv werden? Hier ist ein typischer Vorschlag:

Aufbau eines neuen Developer-Teams für mobile Apps

  • KR1: Anteil der zertifizierten Mobile Developer von 2 auf 6 erhöhen
  • KR2: Die Reporting-Dashboards sind zu 100% von allen Teams einsehbar
  • KR3: Neue App mit 4 Module entwickeln und testen

Das OKR Set ist zunächst in sich stimmig. Die Key Results sind stark quantitativ, und insbesondere die entwickelten Module stellen sicher, dass das Team auch erste Schritte geht.

Doch es gibt einige entscheidende Schwachstellen, die das schnelle Einfinden des Teams in die neue Situation von Anfang an untergraben. Auf drei Aspekte gehen wir hier im Detail ein.

I) Die Objective ist strategisch schwach

Die Hauptaufgabe einer Objective besteht darin, die Strategie für den nächsten Zyklus greifbar zu machen. Das gefährliche an der Objective von oben ist, dass sie zwar den Anschein hat strategisch zu sein, aber bei der Umsetzung nicht genügend Führung gibt. Sie wirkt generisch und lässt zu viele Fragen offen.

Was bedeutet es, das Team aufzubauen?

Die Benennung und Bereitstellung der Team-Mitglieder gehört sicherlich dazu. Daran denkt man als erstes. Aber das ist längst nicht alles. In der Situation des IT Unternehmens muss es für das neue Team vor allem um die Einbindung in bestehende Strukturen, den funktionierenden Austausch mit den Desktop-Anwendungen und die enge Zusammenarbeit mit dem Produkt Management gehen.

Denn das Quartal ist ja nicht dann erfolgreich, wenn 8 Leute in einem Raum sitzen, sondern wenn diese 8 produktiv in das Unternehmen eingebunden sind.

Was ist die strategische Aufgabe der mobilen Apps?

Der Hintergrund für die neue Ausrichtung auf mobile Apps sind sinkende Verkaufszahlen der Desktop Anwendungen. In Strategie-Workshops wurde herausgearbeitet, dass Desktop-Installationen mittlerweile eine zu hohe Reibung darstellen, und Interessenten diesen Schritt immer seltener gehen.

Mobile Apps können deutlich leichter installiert und deinstalliert werden. Deshalb sollen Mobile Apps angeboten werden, damit Interessenten einfacher Zugang zu den Grundfunktionen der Anwendungen erhalten, davon begeistert sind, und dann den nächsten Schritt zur Desktop-Anwendung gehen.

Eine strategische Objective muss diese Aspekte berücksichtigen. Eine überarbeitete Variante könnte zum Beispiel so lauten:

Wir haben das neue Developer-Team in unsere Strukturen integriert, um unserer Zielgruppe den Einstieg in unser Produkt-Portfolio mit Mobile Apps zu vereinfachen

Diese neue Form der Objective macht deutlich, dass es nicht nur um die neuen Leute, sondern vor allem um die Integration des neuen Teams geht. Und sie gibt auch eine klare Richtung und Daseinsberechtigung an. Die zu entwickelnden Apps sind geschäftskritisch und sollen die Reibung für die Zielgruppe verringern, und damit für steigende Verkaufszahlen sorgen.

Sehen Sie, dass die neue Formulierung eine ganz andere Qualität hat? Schärft man die Objective auf diese Weise nach, werden weitere Schwachstellen bei den Key Results offensichtlich.

II) Die Anzahl an Zertifikaten greift nicht

Das erste Key Result, nämlich die Anzahl der zertifizierten Entwickler zu erhöhen, beschreibt den Aufbau des Teams. Es geht um die rein formale Aufstellung. Aber nicht um die Integration, um die enge Verbindung zu bestehenden Entwickler-Teams, die ja eigentlich erreicht werden soll.

Hier ist es nun so, dass die Zertifikate für das Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Sie können deshalb nicht einfach durch ein anderes Key Result ersetzt werden, um damit die Integration stärker zu quantifizieren.

Wie kann man die Integration dennoch unterstützen? Von mehreren Möglichkeiten hat man sich für ein Team entschieden, das sowohl aus Neueinstellungen als auch aus langjährigen Desktop-Entwicklern bestehen soll. Im Key Result spiegelt sich das durch einen einfachen Zusatz wider:

Der Anteil der zertifizierten Mobile Developer steigt von 2 auf 6, wobei mindestens 50% davon frühere Desktop-Entwickler sind

Durch diese zusätzliche Quantifikation über frühere Desktop-Entwickler wird ein Team geschaffen, dass bestens im Unternehmen vernetzt ist. Die bestehenden Beziehungen werden genutzt, um das neue Team bewusst einzubinden. Und weiter sorgt die Prägung der Desktop-Entwickler dafür, dass Mobile Anwendungen im gleichen Stil und mit gleichen Strukturen entwickelt werden.

Die schlaue Erweiterung des Key Results unterstützt die Integration des neuen Teams und ist damit stimmig mit dem eigentlichen Sinn hinter der Objective.

III) Nicht bloß Funktionen testen, sondern Wirkung validieren

Das dritte Key Result, eine gewisse Anzahl von Modulen zu entwickeln und zu testen, ist eine klassische Todoliste. Mit der reinen Entwicklung ist nichts gewonnen. Die strategische Hypothese, dass Mobile Apps die Reibung bei der Zielgruppe reduzieren, wird damit nicht überprüft.

Durch die neue Formulierung der Objective ist jedoch klar, dass das Mobile Team nur deshalb aufgesetzt wird: um durch vereinfachten Zugang zu den Anwendungen für höhere Verkaufszahlen zu sorgen.

Es ist daher wesentlich, diesen Aspekt durch mindestens ein Key Result abzudecken. Ideal wäre direktes Feedback von neuen Kunden. Alternativ bietet sich Feedback von Bestandskunden oder notfalls vom Sales/Marketing Team an.

Feedback lässt sich auf verschiedene Weise messen. Da es hier um reduzierte Reibung geht, ist die Wahrscheinlichkeit der Erstinstallation eine wichtige Messgröße.

Nach einer App-Demo geben 90% der Zielgruppe an, dass sie die App testweise installieren würden.

Wird jeweils nach Fertigstellung eines Moduls eine Umfrage durchgeführt, lässt sich darüber sogar der Einfluss der einzelnen Module überprüfen. Daraus können weitere Erkenntnisse abgeleitet werden, welche Funktionen das Interesse und die spätere Konvertierungsrate zu Desktop-Anwendungen noch weiter steigern würden.

Die hier kurz angerissene Analyse hat einige Möglichkeiten zur Verbesserung der ersten Formulierung gezeigt. Durch gezielte Hinterfragen hat das OKR Set eine ganz andere Qualität bekommen.

Wir haben das neue Developer-Team in unsere Strukturen integriert, um unserer Zielgruppe den Einstieg in unser Produkt-Portfolio mit Mobile Apps zu vereinfachen

  • Der Anteil der zertifizierten Mobile Developer steigt von 2 auf 6, wobei mindestens 50% davon frühere Desktop-Entwickler sind
  • Die Reporting-Dashboards sind zu 100% von allen Teams einsehbar
  • Nach einer App-Demo geben 90% der Zielgruppe an, dass sie die App testweise installieren würden.

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